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2016/01/05

Der schweigende Kranke: Tabus kosten Gesundheit und Geld
 

Tabus sind in menschlichen Gemeinschaften seit jeher allgegenwärtig und soziologisch gesehen sogar notwendig.
Denn sie haben zwar enormes Ausgrenzungspotenzial, können aber auch gemeinsame Wertvorstellungen
und kulturelle Übereinkünfte definieren und stabilisieren.

Im Gesundheitsbereich ist aus medizinischer Sicht oft sehr willkürlich, welches Thema gesellschaftlich
als tabuisiert gilt und welches nicht: Während die Sportverletzung oder die beruflich bedingte physische Überbelastung von Betroffenen gerne in allen Einzelheiten beschrieben und von Zuhörern sogar mit Anerkennung bedacht wird,
werden Hämorrhoiden, Scheidenpilze oder Mundgeruch schamhaft verschwiegen.

Und das, obwohl im ersten Fall der Betroffene häufig sogar eine durch sein Verhalten verursachte Mitschuld
an seinem Leiden trägt, an vielen Tabuleiden aber hingegen völlig schuldlos ist.

Was tabu ist und was nicht, unterliegt immer dem jeweiligen Zeitgeist. So galten psychische Erkrankungen
in vielen vorchristlichen Gesellschaften sogar als Zeichen einer besonderen Verbindung zu den Göttern –
und im Mittelalter dann als Bündnis mit dem Teufel. Heutzutage ist, was die Gesundheit betrifft, alles tabu,
was mit Ausdünstungen, Körpersekreten, Exkrementen, dem sexuellen Intimbereich oder der Psyche zu tun hat.

Zu der grundsätzlichen Zurückhaltung des Patienten, während eines Arztbesuchs solche Themen
überhaupt anzusprechen, kommt die Ablauforganisation unseres auf Effizienz ausgerichteten
Gesundheitssystems, das dem behandelnden Arzt oft zeitlich gar nicht erlaubt,
bei Verdacht auf tabuisierte Leiden gezielt beim Patienten nachzufragen.

Viele Probleme werden darum oft gar nicht oder zu spät erkannt. Mit drastischen Folgen für den unmittelbar
Betroffenen – aber auch für dessen Umfeld, denn viele tabuisierte Krankheiten sind hochgradig ansteckend.
Nicht zuletzt leidet aber auch das ganze Gesundheitssystem unter den so entstehenden zusätzlichen Behandlungskosten, die bei rechtzeitiger Erkennung und Therapie hätten vermieden werden können.

Zu vielen Tabuthemen gibt es außerdem verschwindend wenig verlässliche Quellen im Internet,
die Betroffene im Vorfeld informieren und ihnen die Scham vor dem Arztbesuch nehmen könnten.

medipideo, das Online-Videoportal für die moderne Patientenkommunikation hat sich deswegen vorgenommen, eine Reihe von Tabuthemen in einem knapp, bündig und unterhaltsam aufbereiteten Videoformat umzusetzen.

Inhaltlich konzentrieren sich die Filme dabei auf Symptome, Ursachen und mögliche Behandlungsmethoden
von Leiden wie Mundgeruch, Hyperhidrose oder Erektionsstörungen. Aber auch Fragestellungen wie die
Möglichkeiten sexueller Aktivität nach Einsatz einer Hüftprothese werden thematisiert, geben Betroffenen
erste Orientierung und bauen so Ängste für das weitergehende Gespräch mit dem Arzt ab.

Redaktionelle Leitlinie bei medipideo ist es, sich gerade an Themen mit hohem Schampotenzial heranzuwagen und auch bislang unkonventionelle Ansätze anzuwenden, wenn es der Zielsetzung dienlich ist: Durch gezielte und unterhaltsame Information Ängste abzubauen und Schamgrenzen dort zu beseitigen, wo sie nicht hingehören: im Behandlungszimmer.

Die Filme sind für alle Akteure der Gesundheitsbranche nach entsprechender Lizensierung individualisier- und einsetzbar.

Eine Auswahl von Filmen zu tabuisierten Themen finden Sie hier:
 





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